Offensiv Einbeziehen!
Die "Ressource Wissen" gilt einhellig als das wichtigste Kapital von Verwaltung und Betrieb, dennoch werden bisher Erfahrung, Kreativität, Fähigkeiten und Innovationsbereitschaft der MitarbeiterInnen selten ins Zentrum der Gestaltung des eGovernments gestellt.
Wie gewinnt man die Beschäftigten für Veränderungs- und Umstrukturierungsprozesse?
Durch offensives Einbeziehen!
eGovernment verändert nicht nur den einzelnen Arbeitsplatz, sondern führt in den meisten Bereichen zu einer neuen Ablauforganisation. Dieser Umbau des Workflows stellt einerseits Arbeit und Beschäftigung in Frage, andererseits gibt er die Möglichkeit, neue Dienstleistungen und neue Arbeit zu schaffen. Hier müssen Zukunftsszenarien dargelegt werden über die Entwicklung der Aufgabenbereiche, Konzepte zu Beschäftigungssicherung, Personalmanagement und Personalentwicklung sowie einer Analyse des Qualifizierungsbedarfs. Wichtig dabei sind: Transparenz, Mitbestimmung und konsequente Beteiligung der MitarbeiterInnen in den Verwaltungen.
Die neuen beruflichen Anforderungen machen die Konkretisierung von Weiterbildungsanforderungen dringend erforderlich. Gering qualifizierte Beschäftigte geraten zunehmend in Be-drängnis. Ihre bisherigen Arbeitsplätze sind durch Rationalisierung bedroht. Hier gilt es, so-wohl den Umstieg von alten Arbeitsplätzen in neue Online-Umgebungen zu unterstützen, als auch jenen Menschen eine gesicherte Existenz zu ermöglichen, denen der Einstieg in die Arbeitswelten der Wissensgesellschaft nicht oder nur schwer gelingt.
Wichtig ist, dass Technik und Zugang zu Wissensressourcen nicht als Hierarchieinstrumen-te, sondern zur Förderung von Qualifikation und Mitgestaltungskompetenz genutzt werden. Doch das Phänomen der Abkopplung großer Teile der Beschäftigten von wichtigen "Netz"-Informationen zieht sich trotz Electronic Government quer durch die Dienststellen.
Die digitale Spaltung droht nicht nur zwischen jung und alt, arm und reich, Stadt und Land: Sie zeichnet sich auch in der Arbeitswelt zwischen "white collar" und "blue collar" ab, nämlich denen, die an ihrem Arbeitsplatz über keinen PC verfügen. Ob Arbeiterin oder Angestellter - der Zugang zu Intra- und Internet ist wichtig für berufliches Fortkommen und demokratische Teilhabe und kann Motor zur Verwirklichung von Bürger-, Mitarbeiter- und Prozessorientierung sein. Durch Verwaltungstransparenz steigern sich das Prozessverständnis und die I-dentifikation der ArbeitnehmerInnen mit Verwaltung und Betrieb.
Die partizipative Ausrichtung der neuen Arbeitswelten in "Virtuellen Rathäusern" steht im Mittelpunkt der "Esslinger Erklärung", die von Partnern aus dem Projekt MEDIA@Komm und ihren Projektleitungen verabschiedet wurde.
Die UnterzeichnerInnen betonen, dass bürgerfreundliche und effektive Dienstleistungen im Rahmen des eGovernment nur dann optimal möglich sind, wenn die neuen Online-Arbeitsbedingungen von den Beschäftigten mitbestimmt werden.
Dies sollte bundesweit zum Leitbild werden.